Wersja polska
Русская
Marta Kijowska, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 2. April 2012
„Denn das Wort „Befreiung" ist für Karymsiuk, zu
dessen rebellischer Vergangenheit auch eine Gefängnisstrafe
gehört, „ein geradezu heiliger Begriff", also bleibt ihm
nichts anderes übrig, als der Reise zuzustimmen. Sie führt
die beiden Freunde quer durch die Taiga bis an die chinesische
Grenze und ist voller Erlebnisse, die ihre Lust auf Alltagsabstand und
Selbstprüfung mehr als befriedigen. Kaum sind sie nämlich im
Land angekommen, erleben sie ein Abenteuer nach dem anderen, und ihr
Ziel, Chodorkowskijs Befreiung, rückt schon deshalb schnell in
weite Ferne, weil sie immer öfter damit beschäftigt sind, um
ihr eigenes Leben zu bangen – spätestens, als eine junge
Frau, die in Chodorkowkijs Gefängnis beschäftigt ist, tot
aufgefunden wird und ihre Reise die Form einer Flucht annimmt.
„Tote Tiere" ist demnach nicht nur ein Abenteuerroman, sondern in Ansätzen auch ein Thriller. Es ist ferner die Geschichte einer Männerfreundschaft
und natürlich ein Reiseroman, mit allem, was dazugehört:
Alltagsskizzen, Menschenporträts und eine Menge geographischer und
topographischer Details. Olaf Kühl bringt für all das die
besten Voraussetzungen mit. Er ist literarischer Übersetzer aus
dem Russischen und Polnischen, unter anderem von Andrzej Stasiuk, aber
auch Russland-Berater des Regierenden Bürgermeisters von Berlin.
So ist sein Buch ein intimes Porträt Russlands im doppelten Sinne des Wortes: ein kenntnisreiches und ein emotionales zugleich.
Allerdings muss auch er beziehungsweise sein Alter Ego sich auf dieser
Reise eines Besseren belehren lassen: Die Situation gerät immer
mehr außer Kontrolle, die beiden Männer fahren Tausende
Kilometer in die falsche Richtung, und der Gedanke an Chodorkowkijs
Rettung verliert dabei selbst für Konrad seinen Reiz, ja er
fängt an, seine bisherige Sicht der Dinge anzuzweifeln:
„Vielleicht musste der russische Staat jetzt wirklich Härte
zeigen, vielleicht ließ dieser Riesenkoloss an Raum und Zeit sich
gar nicht anders beherrschen." Und überhaupt: Vor Reisebeginn
hatte er eine klare Vorstellung von der Lage im Land und war fest
entschlossen, sich von keinen Mythen und schnellen Vereinfachungen
leiten zu lassen. Jetzt sieht er, dass vieles doch „kein Mythos,
sondern Tatsache" ist, die erdrückende Weite des Landes, die
mentale Starre der Bewohner und die seit Jahrhunderten
überlieferten Feindbilder eingeschlossen.
„Tote Tiere" ist also ein komplexer Roman: weil
er mehrere Gattungen vereint, aber auch weil er widersprüchliche
Emotionen und Reflexe zum Ausdruck bringt, Sympathie und
Enttäuschung, Empathie und Befremdung, Lob und Schelte.
Kühls Erzählstil bleibt ruhig und unaufgeregt, hat ein Tempo,
das der Bezeichnung „Abenteuerroman" standhält und
gleichzeitig seine Bilder, Gedanken und Assoziationen voll zur Geltung
bringt.“
Playboy, Februar 2012
"Lesenswert
'Tote Tiere' ist ein komischer Roadtrip, der auch ganz schön
nachdenklich macht. Gefällt Ihnen, wenn Sie 'Freelander' von Miljenko Jergović toll fanden." .
Jutta Sommerbauer, Die Presse, 6. November 2011
"An
Russland muss man einfach verzweifeln, dem Land ist nicht zu helfen:
Vielleicht ist das die schmerzhafteste Erkenntnis, die die beiden
Freunde, der
Deutsche Konrad und der Pole Andrzej, irgendwann einmal
während ihrer
Russlandreise gewinnen. Das Riesenreich fühlt sich wohl in
seiner Starre. Auf
der Suche nach Freiheit, müssen die zwei einsehen, ist hier
niemand mehr. Die
Russen klammern sich an den jahrelang eingeimpften Feindbildern fest
wie
verzweifelte Schiffbrüchige an Rettungsringe: Chinesen, Juden,
Kaukasier,
Oligarchen – sie alle sollen am Verfall des Landes schuld
sein. (...)
Eigentlich sind die
beiden
Helden mit geradezu revolutionären Plänen gen
Osten aufgebrochen. (...)
Leben, lieben, leiden.
Die
Reise hat nicht nur die Befreiung
Chodorkowskijs zum Ziel, sie soll auch ein innerer Befreiungsschlag
sein:
Erzähler Konrad, das Alter Ego von Autor Olaf
Kühl, macht seine psychische
Abstumpfung zu schaffen; sein Freund Andrzej Karymsiuk ist unverkennbar
dem
polnischen Literaten Andrzej Stasiuk („Unterwegs
nach Babadag“) nachempfunden,
mit dem Kühl auch privat befreundet und offenbar nicht nur das
vertraute
Mittelosteuropa, sondern eben auch Russland bereist hat. (...)
Zeit, um in das
große Reich des Liebens und Leidens aufzubrechen.
Doch diese trotzig
infantilen Erwartungen
zweier nicht mehr ganz junger
Männer werden in „Tote Tiere“ gekonnt
enttäuscht. Kühl, hauptberuflich
Übersetzer aus dem Polnischen und Russischen sowie
Russland-Beauftragter von
Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit, hat einen
Abenteuer-, Freundschafts- und Reiseroman geschrieben mit wunderbarer
leiser
Ironie und feinem Humor über die komplizierte
polnisch-deutsch-russische
Gemütslage. Und zwischen den Zeilen lässt sich immer
wieder das
Erstaunen des Autors über seine langjährige Zuneigung
zu diesem starrköpfigen
Land spüren." (...)
Michail Chodorkowskij
befreien? In Olaf Kühls Russland darf sich
glücklich schätzen, wer mit dem eigenen Leben
davonkommt."
Volker Isfort, Abendzeitung, München 17. Oktober 2011
"Auf in den wilden Osten.
Auf der Frankfurter Buchmesse wurden zwar zehntausende von neuen Titeln
präsentiert, zum Lesen kommt man in dem Trubel natürlich
nicht. Deswegen freue ich mich darauf, ein auf der Rückfahrt im
Zug begonnenes Buch weiter lesen zu können. Wowereits
Russlandreferent Olaf Kühl hat sich ein skurriles Thema
ausgedacht: Er schickt in seinem Roman 'Tote Tiere' (Rowohlt) zwei sehr
kauzige Abenteurer nach Sibirien, die den inhaftierten Ex-Manager
Chodorkowskij aus dem Straflager befreien wollen. Kühl schreibt,
als wolle er die Coen-Brüder für eine Verfilmung gewinnen."
Christoph Schröder, Süddeutsche Zeitung, 11. Oktober 2011
"Der Roman
arbeitet auf
unterschiedlichen Ebenen: Er ist Liebeserklärung
und
gleichzeitig
enttäuschter Wutausbruch; er ist das erfahrungs-
und
kenntnisgesättigte
Porträt eines Landes, das höchst geschickt aus
diversen Blickwinkeln
sozialer Schichten betrachtet wird. Es ist die Geschichte
einer
Freundschaft und nicht zuletzt das Abenteuer zweier großer
Jungs. (...)
West- und Ostperspektiven überlagern sich permanent, doch weil
daraus
kein einheitliches Bild entsteht, ist 'Tote Tiere' kein Thesenroman,
sondern ein unterhaltsames Buch, das gezielt kolportagehafte Anleihen,
Klischeebilder des vergangenen und gegenwärtigen Russland und
Elemente
einer Agenten- und Krimihandlung (die stellenweise allerdings ein etwas
zu großes Gewicht bekommt) aufeinanderprallen
lässt."
Lena Mützer, Russkij Berlin 43/2011, S. 15
"Manchmal werden Tote wach
Der
Roman ‚Tote Tiere’, der im September 2011
im Verlag Rowohlt Berlin erschien,
ist geeignet, das Russlandbild vieler Deutscher auf den Kopf zu
stellen. [...]
Eigentlich dient die mystische Befreiung Chodorkowskis dem
Erzähler nur als
(ziemlich verschrobener) Vorwand, um seinen Freund, den bekannten
polnischen
Autor, aber auch sich selbst aus dem spießigen
Wohlstandsdasein zu reißen:
alles läuft allzu glatt, nichts bewegt mehr, keine
Gefühle. In Russland dagegen
leben die Emotionen wieder auf – aber nicht die besten.
Russland ist – in
den Augen Olaf Kühls, genauer gesagt, seines Romanhelden
Konrad – von
Verschwörungstheorien durchdrungen. [...]
Absurd,
total Absurd. Dabei real bis zum Gehtnichtmehr. Kühls
‚Tote Tiere’
stehen für ein Russland, das von seinen eigenen Vorstellungen
von
Rechtschaffenheit, Wahrheit und Recht erschlagen ist. [...]
Tot
sind bei Olaf Kühl die Menschen. Körperlich tot
– die Russen, die nicht selten bei
Schießereien oder Messerstechereien umkommen. Der geistige
Tod dagegen (und
hier wird der Bogen zu Gogols ‚Toten Tieren’
geschlagen, über die Kühl
seinerzeit seine Magisterarbeit geschrieben hat) prägt nicht
nur den
russischen, sondern auch den westlichen Alltag. Die toten
Bahnhöfe der Berliner
U-Bahn, gesteuert von toten Computerstimmen. Die toten
„Potemkinschen Empfänge“
in der russischen Botschaft. Der tote, aus Schablonen bestehende,
Dialog mit
dem polnischen Konsul, der die zwei Abenteurer von ihrer nicht ganz
touristischen
Reise nach Sibirien abbringen will. Geistig tot sind auch die Helden
selbst –
sie empfinden nichts mehr. So wie man aufhört, einen alten
Schmerz zu empfinden.
Die
Philosophie dieses Autors – durchdrungen von realem Schmerz
oder
Phantomschmerz
– scheint mit jener verwandt, die die Romane und
Erzählungen
Heinrich
Bölls prägte [...], jenes Apologeten der
„Ruinenliteratur“, der bei jedem
seiner Sujets vom Problem des konkreten Menschen ausging und versuchte,
grandiose Gemälde von Ländern, Epochen, Nationen zu
schaffen... Erinnert fühlt
man sich auch an den Böllschen Typus der Darstellung, das
sogenannte „neue
Deutsch“, stilistisch einfach und konkret –
bisweilen
absichtlich lange, dann
wieder willkürlich abgekürzte Phrasen. [...] Von
Böllscher Art ist auch die
peinlich genaue Beschreibung der Details. Straßennamen,
kartographische
Reiserouten, der genaue Kalender der Ereignisse und Gedanken, Schritt
für Schritt. Diese Detailversessenheit vermag den deutschen,
an
Russland interessierten
Leser zu faszinieren: mit den ‚Toten
Tieren’
erhält er nichts weniger als einen
Reiseführer durch Irkutsk, Tschita, Zabajkalsk und
Krasnokamensk... [...]
Ein
Exemplar des Buches von Olaf Kühl jedenfalls befindet sich
schon in Russland:
mit Hilfe der Rechtsanwälte hat er es Michail Chodorkowski
geschickt mit der
Widmung: ‚Mit tiefer Hochachtung und Zuneigung und in der
Hoffnung auf eine
Begegnung unter menschenwürdigen Umständen.“
( Übersetzung ©
Similitudo; russ. Original).
Wolfgang Niemann, http://www.buchrezensionen-online.de
"Fazit: ein
ungewöhnlicher
Reiseroman mit zwei sehr speziellen Freunden, von herbem Witz
durchzogen und
als wunderbare Vorlage für großes Kino bestens
geeignet. Als Werbemittel für
den Sibirien-Tourismus allerdings ganz und gar nicht..."
Ernest
Wichner, Literaturhaus Berlin, 15.
September 2011
"Olaf
Kühl versteht es glänzend, eine verwegene
Abenteuergeschichte mit schier veristischen Bildern des heutigen
Rußland zu
verbinden, spannend und doch auch mit großer Empathie zu
erzählen."
Martin Wanko, http://m-wanko.blogspot.com,
2. Januar 2012
"Das
Abenteuer ist nicht nur
im Kopf.
Ein
Deutscher und ein Pole wollen einen Oligarchen aus dem
Hinterland
von Sibirien retten, der im letzten Gefängnis vor der
chinesischen Grenze sein
Dasein fristet. Der Oligarch Chodorkowskij erinnert sehr an den
inhaftierten
Michail Chodorkowski und auch den Russland-Trip den die beiden
hinlegen, ist
sehr fundiert.
Olaf Kühl
schrieb mit „Tote Tiere“ einen klassischen
Abenteuerroman, der neben
der Spannung, die zum Teil schon in den Thriller hineinreicht, viel
mehr zu
bieten hat, als diesen anschwellenden Nervenkitzel. In
Fahrten mit Boot, Bahn,
Bus oder maroden Taxis lernen sie Russland von unten kennen. Es sind
Städte wie
Irkutsk oder Tschita, Orte wo die wahre russische Seele beheimatet ist,
Orte
die man wahrscheinlich nie persönlich kennen lernen wird, doch
diese spannende
Fremdheit macht diesen Roman zu einer wirklich sehr lesenswerten
Fokussierung
auf das neue Russland.
Der
Trip bis ans Ende der Welt soll dazu dienen den Oligarchen Michail
Chodorkowskij aus dem Gefängnis zu befreien, der zumindest in
der westlichen
Welt zu den Guten gezählt wird. Doch die Unterwelt, auch die
Regierung und die
Geheimdienste, scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. Man
weiß über
sie überall Bescheid, nur selten erfahren sie ganze
Wahrheiten, ein jeder
scheint hier sein eigenes Süppchen zu kochen. Dazu gibt es
jede Menge
russischen Alltag, interessante Menschen und ein bisschen Liebe. Die
zwei
Freunde kratzen immer nur knapp die Kurve und zerbrechen doch irgendwie
an der
Weite des Landes und am Widerstand des Systems. Dieser Roman ist kein
Märchen,
sondern eine gut dosierte Abenteuergeschichte mit Mehrwert.
Und Olaf Kühl ist
ein Autor mit großem Herz: In ihm haben Russland, Polen und
Deutschland Platz."
Christiane Bauermeister, www.literaturport.de
"Ein
Deutscher und ein Pole wollen im tiefsten Sibirien Michail Chodorkowski
aus dem Lager befreien. Eine ziemlich absurde Idee. Von diesem
abenteuerlichen Unternehmen erzählt der Autor mit Witz und
Sinn für seltsame Begebenheiten."
Rezensionsnotiz
zu Süddeutsche
Zeitung in:
www.perlentaucher.de)